Ich bin kein besonders geduldiger Mensch. Ich würde sogar sagen neben gelegentlichen Wutausbrüchen gehört Ungeduld zu den Eigenschaften an mir, bei denen mir ein annehmender, liebevoller Umgang gelegentlich etwas schwerfällt. Besonders schwierig mit dem Annehmen wird es, wenn beides zusammentrifft: wenn ich wütend werde, weil das, was ich will nicht schnell genug geht.

Heute morgen beginnt mein Tag, indem ich der wunderbaren Denise Sonderegger zuhöre. Sie erzählt über die „Magie des Wartens“ und darüber, dass es Zeiten gibt, in denen wir die Saat ausbringen, Zeiten des Wartens und Zeiten des Erntens.

Danach gehe ich in den Keller zu meinem Kühlschrank, weil ich irgendetwas reinstellen will und stelle fest, der Kühlschrank ist total vereist. Also so richtig. Mit einer dicken Eisschicht überzogen an der Rückwand und im Gefrierteil auch an den Kühlschläuchen.

Eva FleischmannKeine Chance, der muss abgetaut werden und zwar im Ganzen und zwar gleich. Und weil ich ein ungeduldiger Mensch bin, nehme ich einen Schaber und will die Eisfläche mit Gewalt entfernen. Denn wenn ich warte bis alles abgetaut ist, steht nicht nur der Kühlschrank unter Wasser. Was passiert während ich versuche die Eisschicht mit Gewalt abzukratzen?

 

Ich rutsche ab und tu mir weh und zwar richtig. Ungeduld und Gewalt waren also nicht besonders hilfreich bei der Aktion.
O.k. denke ich, alter Hausfrauentrick: nimm eine Schüssel kochendes Wasser, stell sie in den Kühlschrank und unterstütze so den Abtauprozess. Gesagt, getan.

Jetzt gilt es den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Zwischendurch versuche ich natürlich immer wieder die Eisschicht abzubekommen. Und ich lerne und begreife: bin ich zu schnell, tue ich mir wieder weh. Warte ich zu lange, steht alles unter Wasser.

Ich muss also den Prozess begleiten und dranbleiben, um den  richtigen Moment zu erwischen. Denn im richtigen Moment lassen sich große Brocken Eis durch eine kleine Hebelbewegung ganz einfach ablösen und mir bleibt aufwendiges Wegwischen des Tauwassers erspart.

Während ich also immer wieder das heiße Wasser nachfülle um den Tauvorgang zu beschleunigen und zu prüfen, ob ich die Eisplatte schon ablösen kann, denke ich, dass das, was ich erlebe, das Leben widerspiegelt.

Wie oft habe ich schon versucht und versuche immer noch, etwas zu schnell und mit zu viel Kraft/Gewalt zu erreichen?

Wieviel sinnvoller und einfacher ist es, das was ich erreichen will zu unterstützen (heißes Wasser) und dann mit einer kleinen Hebelbewegung das zu bekommen, was ich gerne möchte.

Wieviel leichter wird es, wenn man die Magie des Wartens beherrscht und im Vertrauen und Wissen bleibt, dass Probleme sich schon lösen werden.

Einfach so oder mit einer kleinen sanften Unterstützung einer Schüssel heißen Wassers.